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Mönchsberg (khp) – Das Mönchsberger Schützenhaus ist viel zu schön eingerichtet, um darin nur mit dem Luftgewehr zu schießen. Das wissen die Schützen natürlich auch und gönnen sich neben einigen gesellschaftlichen Anlässen einmal im Jahr eine kulturelle Veranstaltung in ihrer heiligen Halle. Heuer haben sie sich erstmals die Kleinkunst ins Haus geholt und ein Trio mit dem zwar wenig originellen, dafür aber klar Richtung weisenden Namen „Kabarettistas“ engagiert. Die Dame und die zwei Herren erwiesen sich als gute Wahl. Und das nicht nur, weil man sich in ihrer kaum zweijährigen Karriere noch nicht an ihnen satt gesehen hat, wie das bei einigen ihrer Kollegen, die unsere Region in erschöpfender Regelmäßigkeit beehren, der Fall ist. Für Kenner der Szene waren sie nicht nur was Neues, sondern auch erfrischend anders. Die Kabarettistas ließen keinen Moment Langeweile aufkommen. Sie hatten für jeden Geschmack etwas dabei. Während sich das Kabarettestablishment – verkörpert von Dieter Hildebrandt und Matthias Richling – gegenwärtig darüber in die Haare gerät, was im Metier erlaubt ist und was nicht, kennen die mittel-unterfränkischen Newcomer keine Berührungsängste. Da haben sie mit dem Lonnerstädter Jörg Kaiser einen in ihren Reihen, der Stand-up-Comedy im besten Sinn zu zelebrieren versteht. Spontan, schlagfertig, aber auch um Plattheiten nicht verlegen. Kollege Jürgen Buscher, ein in Würzburg lebender Norddeutscher, vertritt das klassische politische Kabarett – mit feinsinnigen Betrachtungen, bei denen sich genaues Hinhören lohnt. Bei ihm dauerte es in Mönchsberg aber etwas länger als bei seinen Kollegen, bis das Eis gebrochen war. Sybille Stoll aus Bad Windsheim schließlich ist das Multitalent im Ensemble. Die Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin verkörpert den singenden Vamp genauso authentisch wie die umwerfend komische Nudel. Mit ihrem Wechselspiel auf der Bühne sorgten die Drei für Vielfalt und Abwechslung, jeder auf seine Weise. „Kabarett aus Rache“ nennt Kaiser das Ergebnis. Sybille Stoll als ehemalige Funktionsträgerin im Fränkischen Sängerbund und Jugendreferentin des Fürther Sängerkreises weiß, wovon sie redet, wenn sie die Hauptversammlung eines Gesangvereins durch den Kakao zieht. Da wirft sie mit Pokalen und Tellern aus Zinn um sich, lässt honorige Zeitgenossen für 100 Jahre Singen ehren und wünscht ihnen noch weitere 100. Jürgen Buscher veranschaulicht, wie hierzulande die Manager diskriminiert werden: mit dem obligatorischen Stern auf der Kühlerhaube, den sie vor sich her fahren müssen oder mit ihrer Verbannung an unwirtliche Orte wie Monaco, Sylt und München-Grünwald. Dann schlüpft er in die Gestalt von Udo Lindenberg, ist „dank Doppelherz und Eierlikör stark wie Zwei“ und schwadroniert vom schwarzen Afghanen. „Die Lücke, die er hinterlässt, ersetzt ihn vollkommen“, fällt Buscher zum Abgang seines unterfränkischen Landsmannes Michel Glos ein. Jörg Kaiser schließlich brilliert mit Episoden aus dem ganz normalen Wahnsinn, den zum Beispiel ein junger Vater im Erziehungsjahr erlebt. Etwa beim Discounter, wenn es um den Kampf um die Pole-Position beim Schnäppchenkauf geht. Sehr zu denken gibt ihm, das gelbe Trikots der Tour de France im Outlet-Center auch in Größe XXL angeboten werden. Obendrein denkt der Lonnerstädter auch an den Erhalt der Schöpfung: „Wir lassen uns nicht von den Eisbären den letzten Fisch wegfressen!“ Die „Eliten aus Mönchsberg, Roßbach, Höfen und vielleicht ganz Baudenbach“; die Kaiser zu Beginn willkommen geheißen hat, hatten jedenfalls ihre helle Freude an dem erfrischenden Dreierpack.
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